Paroles de vignerons - Vinparleur - Winzer talk

Yves Gras: Wie können wir uns und unsere Weinberge an den Klimawandel anpassen?

15. Oktober 2014, von Sebastian Nickel

Die letzten Tage vor Beginn der Weinernte sind Tage des Wartens und der Ruhe. Ein Moment, der erlaubt, laut zu denken und über vergangene und kommende Jahre nach zu sinnen. Seit ungefähr sechs Jahren scheinen unsere Weine feiner und subtiler geworden zu sein, ohne ihren Charakter und ihre Kraft zu verlieren. Ein Jahrgangseffekt? Vielleicht. Eine Stiländerung? Das ist nicht unser Anliegen. Überzeugt davon, dass das Terroir unsere Weine macht, bleibt unser Einfluss auf ihren Charakter gering.

Aber die Umwelt unserer Reben ist in ständiger Veränderung

Einige Faktoren, etwa das Klima, wandeln sich sogar sehr schnell. Also müssen wir uns anpassen: An stärkere und häufigere Winde, an Trockenheit und aleatorische Niederschläge, an über das Jahr gerechnete höhere Temperaturen. Denn wenn das Klima sich ändert, ändern sich die Reben ebenfalls: Ihr Wachstum und Verhalten, das Reifen und die Reife der Früchte und folglich, die Komposition und der Charakter des Weines. Wir Winzer müssen dieser Entwicklung folgen und Wege suchen, die geschmackliche Harmonie aufrecht zu erhalten.

Wie ist das möglich?

Indem wir bei optimaler Reife ernten, erhalten wir zum Beispiel die aromatische Frische der Trauben. Weitere, im Keller getroffene Maßnahmen zielen ebenfalls darauf ab, die gesamte Qualität der Frucht zu erhalten und zum Ausdruck zu bringen: Früher Schutz der Ernte und des Mosts gegen Oxidation, Gärung bei niedriger Temperatur, schonende Extraktion von Farbe und Gerbsäure und Lagerung der Weine in Holztanks statt in Fässern. Wir legen den Akzent auf den Ausdruck des Weines, das Eichenholz soll ihm nur dienen und verschönern. Der erste, große Schritt, den wir aber schon vor einigen Jahren unternommen haben, um uns an Entwicklungen im Weinberg anzupassen, war unsere Umstellung auf ökologische Landwirtschaft. Abgesehen davon, dass Letztere saubere und gesündere Produkte hervorbringt, fördert sie vor allem den Erhalt einer ausgeglichenen Umwelt und eines lebendigen Terroirs. Ich möchte meinen Kindern intakte und ausgeglichene Böden hinterlassen, auf denen sie weiterhin Reben anbauen können. Wir haben die Chance in Gigondas, dass unseren Eltern uns unverdorbene Böden vererbt haben. Eine Tradition, die wir fortsetzen müssen.

Weinreben besitzen eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Anpassung

Des Weiteren scheint es mir sehr schwierig, die Entwicklung des Weinbaus in unserer Region vorher zu sagen. Weinreben besitzen eine außergewöhnliche Fähigkeit zur Anpassung, aber vielleicht müssen wir in der Zukunft an den Rebunterlagen oder an den Rebsorten arbeiten... Wir werden sehen. Zumindest glaube ich, dass unsere Weine sich in den letzten Jahren entwickelt oder geändert haben, und dass sie sich in den nächsten Jahren weiterhin entwickeln werden. Denn Reben, Wein und Klima sind allesamt natürliche und lebendige Faktoren, mit teilweise unvorhersehbarem Verhalten. Sie geben den Ton und die Richtung an, wir folgen!



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