Paroles de vignerons - Vinparleur - Winzer talk

Plädoyer für eine Cartagène

24. April 2014, von Sebastian Nickel

Womöglich kennen Sie dieses Getränk eher unter dem Namen Ratafia, Floc de Gascogne oder Pineau des Charentes. Ihre Gemeinsamkeit: In allen Fällen handelt es sich um sogenannte Likör-Weine, auch Mistelles genannt in Frankreich, hergestellt aus frischem Traubenmost. Ratafia im Burgund und in der Champagne, Pineau des Charentes in der gleichnamigen Region und Cartagène im Languedoc-Roussillon und dem übrigen Mittelmeerraum. Unterschiedliche Regionen, unterschiedliche Namen und eine gemeinsame Tradition: Um das Einsetzten der Gärung zu verhindern, wird der frisch gepresste Most mit regional produziertemm Brandwein oder purem Alkohol gesprittet und auf 16 % bis 22 % Volumen Alkohol festgelegt.

Anschließend lässt man den Likör ruhen und reifen, einige Wochen, einige Monate oder gar einige Jahre, am besten in einem großen Glasgefäss, oder im Eichenfass. Die Kapazität zum Altern eines solchen Likör-Weines ist manchmal erstaunlich. Das bestätigte erst vor kurzem eine im Keller eines Freundes zufällig ausgegrabene Flasche mit völlig unleserlichem Etikett, die dort seit mindestens 16 Jahren ruhte.
Abgesehen von der leuchtend goldenen Amberfarbe und der sirupartigen Konsistenz waren es vor allem die Komplexität und der Charakter der Nase, die uns überraschten:

Frische Mirabellen in rauen Mengen, zarter Blütenduft, Akazienhonig und einige getrocknete Aprikosen und ganz unten im Glas einige in Rum eingelegte Korinthen. Dickflüssig und vollmundig zeigt der Wein doch von Anfang an eine erstaunlich frische Säure,der mit schon aus der Nase bekannten Aromen, bereichert um den süßlichen Duft von Eichenholz, zusammen mit dem reichlich vorhandenen Alkohol zu einem endlos langen Abgang bringt. Eine wahrhaftige Geschmacksbombe! Ein Wein zum Verkosten oder ein Wein zur Begleitung edler Speisen und Produkte, wie etwa Schokolade, eine Tarte-Tatin, Blauschimmelkäse oder Zigarren.

Den Nachgeschmack noch im Mund, kann ich nur mein Bedauern über den Rückgang der Herstellung dieses traditionellen Produkts ausdrücken, das früher in fast jeder Kellerei quasi als wohlschmeckendes Nebenprodukt abfiel. Falls Sie also noch einige vergessene Flaschen in Ihrem Keller finden sollten, zögern Sie nicht, bald eine Verkostung mit guten, weinliebhabenden Freunden ins Leben zu rufen...



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