Paroles de vignerons - Vinparleur - Winzer talk

Schlaf ohne Geruch... I

12. Mai 2010, von Sebastian Nickel

Unser Geruchssinn wird von vielerlei Faktoren beeinflusst. Was wir riechen, wann und ob uns der Geruch angenehm ist, hängt nicht nur von seiner Intensität und der Menge der vorhandenen Duftmoleküle ab, sondern ebenfalls von unserem physischen und psychischem Wohlbefinden, von unseren Geruchs-Erfahrungen und –Vorzügen, von unserem kulturellen Umfeld und unserer kulinarischen Erziehung und vielem mehr. Ob wir überhaupt etwas riechen, und wie wir auf einen eventuellen Geruch reagieren, hängt außerdem davon ab, ob wir wach sind oder ob wir schlafen...

„Natürlich“, sagen Sie jetzt vielleicht, oder „was denn sonst“! Aber so einfach und naheliegend ist das nicht. So ist inzwischen gut bekannt, dass unser Gehörsinn sehr wohl funktioniert wenn wir schlafen, sogar noch besser, als wenn wir hellwach sind.

Was genau mit unserer Nase und ihrer Empfindlichkeit geschieht, und ob wir im Schlaf überhaupt etwas riechen, ist bisher nur wenig bekannt und untersucht.
Vor einigen Jahren machten die Schafexpertin Mary A. Carskadon und die Geruchsforscherin Rachel S. Herz ein Experiment, um die Wahrnehmung von Gerüchen während des Schlafes zu untersuchen.

Als erstes wählten sie dazu zwei Duftstoffe aus, die neben ihrem Aroma die Fähigkeit besitzen, die Nase zu irritieren: Pfefferminze und Pyridin. Ähnliche reiz-bezogene Reaktionen kennen wir aus dem Mund, wo wir Pfefferminze als Kalt oder Chilischoten als brennend empfinden. Die gewählten Duftstoffe unterscheiden sich vor allem darin, dass der Minzgeruch für die meisten Menschen als angenehm gilt, während der Geruch von Pyridin vor allem an Fäulnis erinnert und eher als abstoßend empfunden wird.

Die beiden Duftstoffe wurden ein paar freiwilligen, gut schlafenden Probanden in verschiedenen Phasen ihres Schlafes (Leichtschlaf, Tiefschlaf und Traumschlaf ) und in unterschiedlichen Konzentrationen zugeführt. Dabei wurden eventuellen Reaktionen, unterteilt in direkte (Sprechen, Knopfdruck) und indirekte Reaktionen (Elektroenzephalogramm, EEG, und Veränderung des Herzschlags), gemessen und aufgezeichnet. Zum Vergleich wurden die gleichen Messungen durchgeführt, wenn die Schlafenden bestimmten Tönen und Frequenzen ausgesetzt waren.
Während im wachen Zustand beide Gerüche von den Probanden problemlos wahrgenommen wurden, stellte sich heraus, dass die Reaktionen auf die Duftreize mehr und mehr abnahmen, je weiter die Probanden in den Tiefschlaf rutschten. Wirkliche Reaktionen waren nur in der Leichtschlafphase beim Einschlafen vorhanden, während einige Reaktionen, vor allem auf den unangenehmen Geruch des Pyridins, mit Hilfe des EEG auch in der Tiefschlafphase aufgezeichnet werden konnten.

Der Hörsinn der Testpersonen blieb in den Versuchsnächten im Vergleich eher aufmerksam, und reagierte sogar in der Tiefschlafphase zu 80% auf die verschiedenen Tonreize.
Fazit: Im Schlaf können wir nicht riechen?
Nach dieser Untersuchung scheint es so zu sein. So ist wohl auch nicht der angenehme Duft des Kaffees, der uns am Sonntag morgen aus dem Schlaf holt, sondern eher das Klappern der Tasse im Schrank... Und wir können uns während der Nacht auch nicht auf unsere Nase verlassen, um uns vor Gefahr zu warnen. Also, wenn schon, dann vor dem Einschlafen lieber auf dem Balkon rauchen, als im Bett!


2 Nachrichten

  • Schlaf ohne Geruch... I 19. Februar 2011 12:47

    Wieso wird hier geschrieben man könne im Schlaf nicht riechen wenn im Satz darüber steht das eine Reaktion auf Pyridins mit dem EEG aufgezeichnet werden konnte? Das bedeutet doch das gerade unangenehme und damit eventuell gefährliche Gerüche auch im Tiefschlaf registriert werden.

    repondre message

    • Schlaf ohne Geruch... I 19. Februar 2011 20:31, von Sebastian Nickel

      Vom Gehirn werden die Gerüche sehr wohl registriert, doch werden diese nicht als „Warnsignale“ weitergegeben, und führen nicht zu einer körperlichen Reaktion, wie zB Aufwachen.

      repondre message


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