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Was der #Wein braucht: Glückliche Böden !

2. Dezember 2015, von Sebastian Nickel

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Ausgewogene und gesunde Böden sind die Basis einer jeden gesunden und zukunftsfähigen Landwirtschaft. Eine Binsenweisheit, die man jedoch in den letzten Jahrzehnten auf mehr oder weniger schmerzhafte Weise wiederentdecken musste: Schluss mit den falschen Versprechungen der „glorreichen“, chemischen sechziger Jahre! Viele haben seitdem verstanden: Um den Boden muss man sich kümmern. Man muss ihn hüten und pflegen, damit er lebt und weiter besteht. Denn ein Boden, dieser oft achtlos liegen gelassene Haufen Stein und Dreck kann tatsächlich sterben...

„Die Landwirtschaft muss sich im wahren Sinne wieder ihrer Wurzeln bewusst werden, und die Bedeutung eines gesunden Bodens erkennen...“, schreibt die FAO auf ihrer Internetseite. Böden sind tatsächlich sehr komplexe, lebendige Ökosysteme, die eine Vielzahl von Funktionen erfüllen, welche den Kulturen, die wir auf ihnen pflanzen, Nutzen bringen. Vorratsspeicher für Wasser und Mineralien ist er gleichzeitig auch Wohnstätte für eine Vielzahl von Lebewesen: Bakterien, Pilze, Insekten und sogar Säugetiere. Alle zusammen bilden ein symbiotisches System mit den Wurzeln, verbessern die Bodenstruktur und sind an einer gesunden und harmonischen Pflanzenproduktion beteiligt. Ein Boden ist ein selbsterhaltendes, offenes Ökosystem, das im Grunde die Vorsorge des Menschen nicht braucht.

Von dem Moment, an dem der Mensch sich entscheidet, einen Boden zu kultivieren, bringt er das System ins Ungleichgewicht. Allein schon, weil er Pflanzen erntet und somit dem Boden etwas entnimmt. Lange hat man geglaubt, diese Dysbalance mit Hilfe von chemischem Dünger ausgleichen zu können. Zugleich setze man massiv Unkrautvernichter und Pestizide ein, um die Äcker von der „parasitären Natur“ zu säubern. Da chemische Düngemittel schnell von Pflanzen assimiliert werden und innerhalb kurzer Zeit spektakuläre Wachstumsergebnisse erzielen, glaubte man, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben.

PAPPERLAPAPP! Die exzessive Zufuhr von Stickstoff macht die Pflanzen groß aber schwach, die Böden verlieren ihre Porosität und ihre Wasserspeicherkapazität, Lebendiges stirbt... Das Ungleichgewicht kann fast nicht mehr aufgeholt werden.
Aber es gibt auch einen anderen Weg, ohne notwendigerweise zur „wilden“ Natur zurückzukehren. Im Gegenteil, der alternative Weg zur Chemie benötigt meist sehr viel mehr Einsatz und Überlegung.

„Seid den neunziger Jahren benutzen wir keine Unkrautvernichter mehr“, erklärt Jean-Marc Verhaeghe, Winzer auf dem Château du Cèdre in Cahors und verantwortlich für die Pflege der Weinberge.
„Wir bändigen den Wuchs von Wildkräutern mit dem Pflug, einem Unterstockräumer und durch mähen. Das hat unseren Kulturen sehr gut getan. Die Reben haben ihre Wurzeln weiter nach unten getrieben, die Wildkräuter erhöhen mit ihren Wurzeln die Bodenstruktur und begünstigen damit das Eindringen von Regenwasser. Außerdem mindert diese Vegetation Verdunstung und Erosion und steigert die Biodiversität im Boden und in den Reben selber.“

Yves Gras hat seinem Boden mit einen speziellen, kohlehaltigen Kompost angereichert. Zehn Tonnen pro Hektar! Der Kompost bringt organisches Material in den Boden ein und erhöht dadurch seine Wasserrückhaltekapazität. Kein Luxus im heißen, mediterranen Teil des Rhône Tals, in dem seine Weinberge liegen.

Hubert Soreau spritzt ebenfalls nicht mehr gegen Unkraut und geht damit in seinem in der Champagne gelegenen Clos l’Abbé ein erhebliches Risiko ein. Denn Gräser und Kräuter erhöhen im Frühjahr das Frostrisiko in den niedrig geschnittenen Reben. Dabei kann schon mal die gesamte Ernte erfrieren und im Keim erstickt werden. Aber seine Reben scheinen dankbar zu sein für ein Leben näher an der Natur und schenken ihm seit mehreren Jahren schon vollreife Trauben, als Grundlage für seinen vollmundigen und erstaunlich komplexen Champagner.



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