Paroles de vignerons - Vinparleur - Winzer talk

Früher gab’s mehr Wein: täglich

10. Februar 2013, von Sebastian Nickel

Liebe A,

Unser Essverhalten, oder zumindest unsere Esskultur, scheint traditionell an Wochentage gebunden zu sein. Freitags Fisch, oft ohne Wein, aber wenn doch, dann mit einem leichten Weißen, mit einer Weinschorle oder mit einem kalten Bier zur gebackenen Scholle. Sonntags Braten, mit Kartoffeln, ordentlich Soße und gerne auch ein paar Kalorien mehr, dazu eine Flasche vom Roten den Vati so gerne trinkt.

Natürlich hat sich da einiges geändert über die letzten anderthalb Generationen: Wenn Freitags noch Fisch, dann eher in Form von Sushi, zumindest aber gerne etwas, das man nicht selber kochen „muss“, sondern durch Telefon und Kreditkarte wie von Zauberhand in die Wohnung und manchmal sogar noch auf den gedeckten Tisch gelangt. Das hat man sich nach fünf Tagen Quälerei auf der Arbeit verdient. Dazu natürlich nach wie vor weiß (aber nicht mehr gezwungenermaßen leicht): Kamptaler Riesling, iberischer Chardonnay oder Chenin blanc vom Kap.

Donnerstagabend kann man sich übrigens schon ähnliches leisten, denn Freitag ist der letzte Tag und da darf man ruhig ein wenig müde sein. Und deshalb: Essen außer Haus. Zum Italiener mit seiner vollen und schmackhaft mediterranen Küche, dazu klanghafter Chianti, Bardolino oder Barbaresco, oder etwas Leichtes und dazu ein Glas dieses nicht tot zu kriegenden Pinot grigio.

Das Donnerstags-Konzept passt auch hervorragend zum Samstag, wobei der mediterrane Italiener gegen jede Art von Fusion-Kitchen oder Street Food ausgetauscht werden kann. Mein Tipp: Bestell Dir große Würfel frisch gebackenen und mit Chili, Koriander und Kardamom gewürzten Fisch in einer kunstvoll gefalteten Koreanischen Zeitung serviert und trink dazu den einfachen Hauswein eines Newcomer-Winzers. Understatement pur, passt auf jeden Fall!

Street food Korea - Foto Johl

Wo Großvater am Sonntagmittag noch so schwer essen musste, dass er es anschließend kaum noch vom Tisch zum Sofa schaffte, dürfen wir als Enkel heute auch Brunchen. Vorteil: Man muss nicht früh aufstehen, isst Frühstück und Mittag zur gleichen Zeit, fängt an mit Tee oder Kaffee und beendet das ganze gegen 14 Uhr mit Bier und Prosecco. Anschließend winkt der Mittagsschlaf, im Bett oder wie Opi auf dem Sofa.

Von Donnerstagabend bis Sonntagnachmittag haben wir also eine menge Spaß. Und was kommt dann? Hast Du schon einmal von einem typischen Montagswein gehört? Natürlich nicht, denn nach so einem Wochenende muss man’s langsam angehen lassen, beziehungsweise für sein bacchantisches Verhalten sogar ein wenig Abbitte leisten. Am Montag gibt es also von offizieller Seite nichts Passendes zu trinken. Am Mittwoch geht es dann schon wieder. Ein Gläschen zum kochen. Erstrecht hier in Frankreich, denn die Kinder gehen an diesem Tag nicht in die Schule und das ist ähnlich wie ein kleiner Feiertag.

Persönlich liegt mir der Dienstag am Herzen. Da koche ich gerne etwas Handfestes, wie etwa frische und würzige Pizza (ja, der Teig wird selbst gemacht, und zwar mit Weizen- und Kastanienmehl. Schmeckt irgendwie rauchig), Kotelett-Blumenkohl-Pellkartofeln, Tagliatelle mit Fisch, Curry und ordentlich Ingwer, Bohnen ‘n Lamm Eintopf… Und in 50% der Fälle passt dazu auch ein vernünftiges Glas Dienstagswein. Was ein vernünftiger Dienstagswein ist? Nun, das sind all die Weine, meist klein, aber nicht unbedingt, über die kaum einer spricht, aber die saugut schmecken!



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