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Kupfersulfat und Schneckenragout - Pflanzenschutz im Weinbau

14. Mai 2014, von Sebastian Nickel

Im Frühjahr wachsen die Reben mit Höchstgeschwindigkeit. Je nach Rebsorte unterscheidet man zwischen langen und kurzen Wuchs-Zyklen, die im genetischen Potential festgelegt sind. Einfacher gesagt, manche Rebsorten sind früh, andere erst später im Herbst reif. Hier im Süden Frankreichs gilt der Cinsault zum Beispiel zu den frühen roten Rebsorten. Seine Trauben werden meist schon Ende August geerntet und zu leichten Rotweinen oder zu fruchtigem Rosé verarbeitet. Carignan und Mourvèdre hingegen, zwei typisch mediterrane Rebensorten, sind für ihren langen Wuchs-Zyklus bekannt, und ihre Trauben gelangen erst gegen Ende September zur vollen Reife.


Photo Heliodor

Aber so weit sind wir heute noch nicht, der nächste Jahrgang steht ja erst in den Kinderschuhen. In dieser übermütigen Wachstumsphase, können die jungen Triebe bis zu mehreren Zentimetern am Tag wachsen und das zarte Blattwerk ist eine ideale Beute für Parasiten und Räuber. Schneckenfrass ist zum Beispiel in manchen Rebgärten ein echtes Problem. Schon in einer einzigen Nacht kann ein Kommando von Weichtieren grosse Schäden anrichten. Man muss wissen, das an den jungen Trieben die Traubenanlagen für die kommende Ernte schon vorhanden sind. Werden sie von hungrigen Schnecken vertilgt, treibt die Rebe zwar neue Triebe, aber die Ernte bleibt aus. Als ich vor mehreren Jahren auf einem Weingut im Minervois arbeitete, gab es eine einfache, aber effiziente Methode, um gegen den Heisshunger der Schnecken anzugehen. Jeden Morgen spazierten meine Kollegen und ich durch die alten Weinberge, gewappnet mit einem kräftigen Stock und einem aus Draht geflochtenen Schneckenkorb. Mit einem harten Hieb gegen jede Rebe wurden die Schnecken zu Fall gebracht und eingesackt. Nach einigen Wochen in grossen, mit wildem Thymian gefüllten Holzkisten, landeten sie beim jährlichen Frühlingsfest der Kellerei als würzige «Cargolade» auf dem Tisch.

Junge Reben haben aber noch sehr viel weniger schmackhafte Feinde: Pilze. Vor allem der echter Mehltau, auch Äscherich genannt, und falscher Mehltau setzen den Pflanzen und der Moral der Winzer zu. Beide können erhebliche Schäden verursachen und Ertrag und Erntequalität reduzieren. Bei der Bekämpfung beider Pilze ist es ratsam vorbeugende Massnahmen zu treffen, da es extrem schwierig ist, die unwillkommenen Gäste zu bezwingen, wenn sie sich erst einmal eingenistet haben. Je nach Wetter und Rebsorte, beginnt der Pflanzenschutz also relativ früh in den Weinbergen.

Falschen Mehltau bekämpft man traditionell mit der Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten, kupferhaltigen «Bordeauxbrühe». Noch heute ist Kupfer im ökologischen Landbau das einzige zugelassene Mittel gegen falschen Mehltau. Im traditionellen Landbau können natürlich auch andere, chemische Spritzmittel angewandt werden.
Wichtig für eine erfolgreiche Bekämpfung der Pilze ist allerdings nicht nur die Entscheidung womit man spritzt, sondern auch wann.

«Der biologische Zyklus des falschen Mehltaus ist stark an den Regen gebunden», erklärt Roch Teisserenc von der Domaine de l’Arjolle im Languedoc. «Wir verbringen viel Zeit im Weinberg, um erste Infektionen durch den Pilz an den Reben zu entdecken. Danach entscheidet das Wetter, ob und wann wir eingreifen».

Die Domaine de l’Arjolle hat schon vor vielen Jahren die Charta von «Terra Vitis» unterschrieben, die eine nachhaltige Landwirtschaft zertifiziert. Dabei geht es vor allem darum, den Pflanzenschutz an die Bedürfnisse der Reben und die klimatischen Bedingungen eines jeden Jahrgangs anzupassen. Wenn’s nicht nötig ist, wird auch nicht gespritzt.

Echter Mehltau wird traditionell mit Schwefelpräparaten gekämpft. Wie früh man in der Saison mit dem Pflanzenschutz beginnt, hängt stark von den Rebsorten ab, denn einige, wie Chardonnay und Carignan, sind sehr anfällig. Aber nicht nur das Spritzen gehört zum Pflanzenschutz.
Vincent Rochette der Domaine Roche-Audran im Rhône-Tal verlässt sich beim Schutz seiner Reben auf die Prinzipien der Biodynamie. Im Frühjahr behandelt er die jungen Triebe mit einem Extrakt aus Schafgarbe, welche den natürlichen Schwefel im Boden mobilisiert und damit die Abwehrkräfte der Pflanzen stärkt.

Andere, oft arbeitsaufwändige Massnahmen beugen ebenfalls dem Pilzbefall vor. Auf dem ausschliesslich ökologisch bewirtschafteten Château du Cèdre in Cahors begrenzt man von Anfang an den Wuchs der Gräser und Kräuter zwischen den Reben. Nach dem Pflügen am Ende des Winters werden sie die restliche Saison über kurz gehalten. Zwischen den einzelnen Reben wird der Boden mit einem sogenannten Unterstockräumer gesäubert.

«Das erspart uns seit Anfang der 90er Jahre den Einsatz von Unkrautvernichtern», sagt Winzer Jean-Marc Verhaeghe. Denn Gräser, die in die Rebstöcke hochwachsen, erhöhen das Risiko des Pilzbefalls. Zudem werden junge, wild ausgeschlagene Triebe am Stock entfernt. Das verringert vor allem die Vegetationsdichte und damit die von den Pilzen hoch geschätzte Feuchtigkeit im Blattwerk. Grob gesagt, je mehr Durchzug, desto weniger eignet sich die Vegetation der Rebe als Penthouse für Pilze.



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