Paroles de vignerons - Vinparleur - Winzer talk

Früher gab’s mehr Wein: Weinnachten

26. Dezember 2013, von Sebastian Nickel

Das Jahresende rückt näher, und langsam beginnt der Gaumen an die Festtagstafel zu denken. Möglichst schmackhaft sollte es sein, parfümiert, klassisch oder etwas Besonderes. Und das Gleiche gilt für den dazugereichten Wein. Aber wie besonders? Besonders groß, besonders elegant, besonders neu, besonders unbekannt, besonders anders, besonders teuer?

Es gibt sehr viele Gründe, sich zu Weihnachten und zum Neuen Jahr für das eine Gericht oder gerade für das andere zu entscheiden: traditionnel (das Rezept der Weihnachtsgans wird schon seit Generationen in der Familie weitergereicht), der kulinarische Trend des Jahres (dabei scheint derzeit Altbewährtes in unsere Küchen zurückzuwandern), exotisch oder zufällig gemischt (jeder-bringt-etwas-mit), würzig, kniffelig oder ganz einfach (Kartoffelsalat und Würstchen lassen grüssen). Gilt Gleiches auch hier für den dazugereichten Wein? Sogar noch mehr, denn zu jedem Gericht und Stil passen mindestens zehn Weine.

Ich selber gehöre ebenfalls zu denen, die den Abschied des vergangenen Jahres und die Weihnachtstage gerne in guter Gesellschaft, sowie in Gesellschaft guter Flaschen verbringen und habe in den vergangenen Wochen schon angefangen, meine Korkenzieher zu wetzen. Aber was ist nun eine besonders passende Flasche zu Weihnachten oder, besser gefragt, was sind besonders passende Flaschen zu Weihnachten, denn auch hier gibt es nicht nur eine Wahrheit. Ich will Ihnen daher erzählen, was ich selber in diesem Jahr zu den Feiertagen trinken werde, oder gerne trinken würde – und warum.

Was ich wahrscheinlich trinken werde

Am 24. Dezember gibt’s Fisch, eine Familientradition, die sich über Jahre und verschiedene Variationen hinweg zum mehr oder weniger asiatisch gewürzten Fischfondue entwickelt hat. Dazu gerne weiß, knackfrisch, würzig und parfümiert sowie unbedingt leicht zu trinken, damit bei der Vorbereitung des Fisches schon vorgekostet werden kann... Ein Silvaner zum Beispiel oder ein Chablis, sehr gerne auch Sauvignon blanc, aber Achtung bei letzteren aus Übersee, zu viel Restsüsse zum Essen sollte nicht sein. Je nach Würze (Chili, Ingwer, Soja, Lemon-Grass) der Fonduebrühe, kämen allerdings auch Riesling und sogar Gewürztraminer in Frage, für mich lieber trocken, aber bei steigender Schärfe auch gerne mit mehr Rundungen.

Am 25. und 26. wird’s gerne Wild an deutschen Weihnachtstafeln– Rehrücken, Fasan, Enten- oder Gänsebraten und Hasen, alles Fleisch mit viel Geschmack. Und jetzt wird’s spannend, denn (fast) alles ist möglich. Die roten Weine dürfen jung sein, denn ähnlich Preisselbeeren und Schattenmorellen, passen ihre fruchtigen Aromen zum klassischen Wildgeschmack, und eventuell übermütige Tannine machen Saft und Schmalz von Enten und Gänsen geschmeidig. Eine Grenache-Bombe aus dem Rhône-Tal oder Australien werden Sie keinesfalls bereuen, gleiches gilt für einen kräftigen Syrah-betonten Wein aus dem Languedoc.

Da Wild und Eleganz sich jedoch keinesfalls ausschließen, ist die Kombination mit einem Spätburgunder oder Pinot noir oft ebenfalls empfehlenswert. Federwild und besonders würzige Zubereitungen vertragen auch die gewagte Kombination mit kräftigen Weißweinen, wie etwa Riesling oder Chenin blanc von der Loire. Der Meinung der Winzer der gleichnamigen Weinregion, Champagner passe zu jedem Gericht, pflichte ich zumindest hinsichtlich dieser Gerichte bei.

Persönlich wage ich mich zum Jahresende gerne an ältere Jahrgänge heran, denn da wird’s für Nase und Gaumen oft besonders spannend. Oft handelt es sich um Einzelflaschen, an die man sich an gewöhnlichen Tagen des Jahres nicht heranwagt, meist aus Angst vor Enttäuschungen. Da in den späten Dezembertagen jedoch ein wenig Jahresendzeitstimmung herrscht, nimmt man das Risiko inkauf und öffnet gerade diese Flaschen gerne mit einem gewissen „was soll’s“ und „wir werden sehen“. Ich werde mich also an einige Rieslingweine der späten Neunziger Jahre von Kühling-Gillot heranpirschen, einen klaren, hellroten Vacqueyras der Domaine Santa Duc aus dem Jahre 2005 verkosten und einen tiefschwarzen, 10 Jahre alten Malbec „Grand Cru“ des Château du Cèdre geniessen. Soviel zu dem, was ich wahrscheinlich trinken werde.

Was ich auch gerne trinken würde

Doch nun zu dem, was ich vielleicht gerne trinken würde, um der Besonderheit der Feiertage genüge zu tun.
Besonders groß: Denn allein die Präsenz von Magnum (1,5 Liter) und Jeroboam (je nach Weinregion 3 beziehungsweise 4,5 Liter) verwandeln den Tisch schon in eine Festtafel. Dazu kommt noch, dass Wein in großen Flaschen anders reift und oft schon früher zugänglich ist.
Besonders elegant: Rote Weineleganz holt man sich am besten im Burgunder. Ob Spätburgunder oder Pinot noir, das sei dahingestellt, aber fein soll’s sein. Frische oder eingelegte rote Früchte, Veilchen, etwas Minze und Kakao, Zimt und geröstete Mandeln, und samtweiches Tannin am Gaumen. Für die weiße Weineleganz bleibe ich gleich im Burgund und entscheide mich für einen Chardonnay aus Meursault oder Puligny (die Riesling-Jünger werden’s mir verzeihen).
Besonders unbekannt: Fer servadou, César, Counoise, Gros Manseng... Manchmal muss man ein wenig suchen, um auf unbekannten Pfaden geschmacklichen Überraschungen zu begegnen.

Zu besonders teuer brauchen Sie wohl nicht meinen Rat, aber besonders gut sollte es natürlich immer sein...



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